Das "Game of Life"

Im Jahr 1970, als Computer noch wie große Schaltschränke aussahen und eine Maus noch ausschließlich ein kleines graues Nagetier war, grübelte Conway schon seit einiger Zeit an einem kniffligen Problem: er versuchte mit wenigen möglichst einfachen Regeln Lebensprozesse zu simulieren. Das schwierige daran war, ein Regelwerk zu finden, das ein ausgewogenes Verhältnis zwischen "Geburt", "Überleben" und "Tod" ergab. Es sollte auf einem ebenen Spielfeld mit Gittermuster gespielt werden können und sollte die Veränderung einer "Population" über eine Anzahl von Zeitschritten simulieren.


Conway legte schließlich nach vielen Versuchen für sein "Universum" die folgenden Regeln fest:

1. Jede lebende Zelle mit weniger als 2 lebenden Nachbarzellen stirbt (Unterpopulation)


Pic Rule1

2. Jede lebende Zelle mit mehr als 3 lebenden Nachbarzellen stirbt (Überpopulation)


Pic Rule2

3. Jede lebende Zelle mit 2 oder 3 lebenden Nachbarzellen bleibt lebendig


Pic Rule3

4. Jede tote Zelle mit 3 lebenden Nachbarzellen wird lebendig


Pic Rule4

Auf jede Zelle werden pro Generation diese Regeln angewandt, und die Population ändert sich entsprechend. Die Belegung des Zellraumes in einer Generation ist also nur abhängig von der Belegung in der vorrangegangenen Generation.

Die Regeln bilden die Grundlage für sehr komplexe und teils chaotisch erscheinende Vorgänge: Strukturen können vollständig verschwinden, sich stabilisieren, chaotisch wachsen, sich ständig wiederholen, sich gegenseitig beeinflussen, andere Objekte erzeugen oder sich sogar über das Feld vorwärts 'bewegen' (Beispiel: der Glider).


glider_animation

Anfangs wurde mit Papier und Bleistift oder aber mit Spielsteinen auf einem karierten Brett gespielt, ein Go-Brett eignet sich z.B. sehr gut. Wer Glück hatte und Zugang zu einem der wenigen Großrechner hatte, konnte diesen natürlich entsprechend programmieren und sich eine Menge Aufwand ersparen. Damals war Computer-Rechenzeit noch sehr teuer, und Life wurde deshalb vielfach als "eine lustige Art der Rechenzeitverschwendung" angesehen. Mit dem Aufkommen von privaten Computern verbreitete sich Life von den späten 70er Jahren an und hat seitdem viele Freunde gefunden und viele abgewandelte Versionen hervorgebracht. Viele Anwender ließen ihre Rechner extra über Nacht laufen, um die ansonsten freie Rechenzeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.


Mit modernen schnellen Computern hat Life seit den 90er Jahren eine ungeahnte neue Popularität erfahren, denn jetzt lassen sich selbst die komplexesten und größten Strukturen berechnen. Es existieren zahlreiche Software Versionen für verschiedene Betriebssysteme, die z.T. auch ohne Installation online gespielt werden können (siehe Links).


Bedeutung